Und wieder Friesinger

So, Frau Friesinger. Sie trauen also dem Mannschaftsarzt der DESG für die olympischen Spiele, Lutz, nicht? Aha. Weil er Pechstein betreut hat. Soso. Ich kann nur vermuten, daß sie etwas zu verbergen haben. Ihre Ausreden überzeugen mich nicht im geringsten. Ihre Stutenbisse gegen Pechstein waren schon am Beginn unerträglich. Und sind es heute. Was sie geblieben sind ist eine zweitklassige Sportlerin und schlimmer, als Mensch nur eine Viertklassige. Bei ihnen ekelt es mich nur noch. Während Pechstein eine echte Heldin des Sports ist, sind sie Banalität auf Schlittschuhn. Ein charakterlicher Tiefflieger. Und Herr Lutz - sie haben Glück und müssen diese schreckliche Frau nicht behandeln!

Warum ich also NPD wählen soll

Der Wahlkampf nähert sich dem Ende. Heut akm die Wahlwerbung der NPD ins Haus geflattert. Als erstes muß ich aus ihrer Postille erfahren, daß es "Jetzt reicht". Daneben lächelt mir die Kandidatin des Wahlkreises 49, Hildesheim, mit dem doch sehr deutschen Namen Ricarda Riefling entgegen. Ich erfahre ihre Lebensgeschichte in Kurzfassung - die 1983 geborene junge Frau hat dem Führer schon vier Kinder geboren - und daß sie dafür ist, daß Frauen für die ersten drei Lebensjahre eines jeden Kindes bezahlt werden am Herd zu stehen. Dann listet die NPD ihre Forderungen. Zum Gutteil kommen die Parolen bekannt vor, viele kommen auch in anderen Parteien vor. So ist man sich mit der Linken einig, daß die Bundeswehr aus Afghanistan abziehen soll. Man möchte damit das "Selbstbestimmungsrecht aller Völker" wahren. Naja, wundert es Jemanden, daß das krude Weltbild der Taliban offenbar weite Deckungen mit dem der NPD hat? Vor allem die Frauenfeindlichkeit und der Hass auf die USA und jede Form der Demokratie scheint hier verbindend. Unter der Überschrift versteckt sich dann auch noch der Wille, Zahlungen an auswärtige Staaten einzustellen, so diese Zahlungen Deutschland nicht nützen. Aha. Man möchte den "Rentenbetrug" stoppen und in FDP-Manier soll sich "Arbeit wieder lohnen". Und wie die FDP stößt man ins Horn der ach so betrogenen Klein- und Mittelständler. Die werden sich freuen, daß sich nun auch die NPD um sie kümmert. Wenn sie die bisherigen Parteien noch nicht fertig gemacht haben - na vielleicht hat ja die NPD Glück. Bildung und Gesundheit sollen auch nicht vom Geldbeutel abhängen. Naja, kennen wir. Natürlich ist klar, daß das nur für Deutsche gilt. Bestimmt auch nur für gute Deutsche.

Weiter wird die Todesstrafe für Kindermörder gefordert - nachdem ein NPD-Abgeordneter im sächsischen Landtag als Pädophiler enttarnt wurde, möchte man wohl das Ganze nicht mehr bis auf alle Pädophile ausdehnen, vielleicht würde das zu vielen Anhängern den Kopf kosten. Wer weiß. Auf Seite drei werden die etablierten Parteien über ihre Wahlplakete "enttarnt". Ja pfui, man sieht dort Neger für deutsche Parteien werben! Für mich extrem enttäuschend, daß unter den weiter vorgestellten Kandidaten mit Klaus Beier und Kersten Radzimanowski auch Kandidaten aus meiner Heimatgegend antreten. Alles in allem möchte die NPD die "Dikatatur der Demokraten" stoppen, wir wir am Ende der vier Seiten gedruckten Dünpfiffes lernen. Und eine Spende hätten sie auch gerne. Manchmal kann man nicht so viel essen, wie man kotzen will.

Fast noch schlimmer, es war auch Wahlwerbung für den Ortsverband meines eigentlichen Heimatortes dabei. Gleich mit Coupon zum bestellen von Info-Material (offenbar geht es der NPD wirklich nicht mehr so gut, das Info-Zeugs bekommt man nur gegen übersendung von drei 55-Cent-Briefmarken), mit der Möglichkeit der NPD und der JN beizutreten oder zu Veranstaltungen eingeladen zu werden. Wie perfide dieses Volk ist, sehe ich am Nachbarort Woltersdorf. Dort hatte man das Pech, daß es ein Kandidat der NPD geschafft hat. In den Sitzungen des Gemeinderates tut er sich immer wieder durch Nichtswissen und Nichtskönnen hervor. Aber immerhin kann er Veranstaltungen organisieren, etwa einen Protest gegen einen farbigen Lehrer, der den Schülern in Woltersdorf fakultativ afrikanisches Trommeln beibringt. Die Vorstellung, daß solche Leute wirklich mal etwas zu sagen hätten ist schrecklich. Wenn man bedenkt, daß sie jetzt nicht mal Kandidaten für die paar Posten die sie besetzten haben, die halbweg geradeaus denken (naja, wenn sie das könnten wären sie wohl eh nicht in der NPD) oder laufen könnten. Man stelle sich vor, diese Leute auch an der Spitze des Landes. Man mag über die etablierten Parteien denken was man will. Aber gegenüber diesen offensichtlichen Nieten mit ihren stumpfen und dumpfen Parolen sind sie geradezu grandios. Liebe NPD - verschwinde soch endlich mal in den Gulli aus dem du hervor gekrochen bist. Und nimm bitte gleich alle anderen Extremistenpartien wie die DVU, DSU, REPs, Schill-Umfeld, MLPD, DKP, CM, PBC etc mit. Ich mag das Land ja bunt - aber auf euch kann ich gut verzichten!

Wenn Linke sich Nazimethoden zuwenden

Ich arbeite seit mittlerweile mehr als viereinhalb Jahren in der deutschsprachigen Wikipedia mit. Als Jemand, der Geschichte studiert hat versuche ich dort natürlich möglichst wissenschaftlich zu arbeiten, das verdienen die Leser. Das bedeutet auch, wissenschaftliche Arbeitsweisen anzuwenden. Es muß 2006 gewesen sein, da habe ich mich in einer Diskussion wie es wissenschaftlich korrekt ist für die Nutzung solcher Schundblätter wie dem Stürmer oder dem Völkischen Beobachter ausgesprochen. Als Historische Quelle. Es kommt darauf an, wie man etwas nutzt, nicht was. Einige Zeit später begann das Verhängnis. Günter Schuler brachte mich - namentlich erwähnt - in seinem Machwerk "Inside Wikipedia" (der Mann mag alles mögliche sein, nach einem halben Jahr ab und an rein schauen war er sicher nicht inside Wikipedia, das würde ich von mir nicht einmal heute behaupten) in diesem Zusammenhang mit rechtem Gedankengut in Verbindung. Ein Unding. Denn ich bin alles andere als auch nur anfällig für rechtes Gedankengut. Ich verabscheue die Nazibrut zutiefst.

Nun könnte man das abhaken. Aber in der Wikipedia ist nunmal Krieg. Und den führen nicht selten polistische Seiten. Es ist nicht mein Arbeitsgebiet, ich habe mich dort selten positioniert. Doch mag ich es nicht, wenn man Wikipedia als Spielzeug benutzt. Und das taten diverse Leute. Besonders dumm und nerig waren Demokratiespieler. Die meist aus einem vermeintlich Linksextremen Lager kamen. Und wer nicht ihrer Meinung ist, ist natürlich ein Nazi. Zuletzt hat das immer mehr zugenommen. und ich bin mittlerweile ein Hauotangriffsziel dieser Linksnazis. Angebliche Linke, die sich der typischen Nazimethoden bedienen. Kesseltreiben, Einschüchterungsversuche, Lügen. Typischens NPD-Verhalten. Das schlimme ist, daß dieses Volk, das isch hinter Namen wie Brummfuss, Ulitz, Widescreen und Simplicius versteckt, dazu die Möglichkeit zur Anonymität in der Wikipedia nutzt. Das macht man dann als IP. Und wenn es ein anderer Benutzer entfernt, kommen dann die angemedeten vermeintlichen Freiheitskämpfer aus ihren Löschen und stellen diese Lügen wieder her. Heute wurde ich einmal mehr zum Nazi gemacht. Wieder von einer feigen IP, die dann der Benutzer hinter dem Pseudonym Ulitz nach Löschung wieder her stellte. Man merkt immer wieder - NPD-Methoden. Sie versuchen mich mürbe zu machen und nutzen dabei ihre schon fast paramilitärische Organisation die sie doch allen Ernstes "Diderot-Club" nennen. Diese Mürbetaktik ist so ein absolut typisches Nazimuster. Oder auch Stasi, wie man es nennen möchte. Ironischerweise belegen sie ausgerechnet ihre Gegner mit diesen Vorwürfen.

Die Arbeit in der Wikipedia ist derzeit nicht mehr angenehm. Der Diderot-Club trägt in Person ihrer Mitarbeiter kaum noch zur Wikipedia bei. Sie spielen - tun aber wenig (das was die wenigen die da noch arbeiten liefern ist bei vielen Autoren als eher mindere Qualität betrachtet, nicht selten sind es Artikel, die ersthaften Ansprüchen nicht genügen). Schon komisch. Sie tragen nichts bei, sind aber laut. Und das Schlimme - viele Leute, die ich mal als vernünftig ansah, spielen dieses Spiel noch mit und glauben wirklich, dieser Club mit seinen Ekelmethoden wäre wirklich kritisch. Kritik um der slebst willen soll echte Kritik sein? Ein paar Mitarbeiter haben sie schon mürbe bekommen. Und nach heute, wo ich einmal mehr merke, daß sie jede Lüge ungestraft im Projekt verbreiten dürfen, reicht es mir auch langsam. Man fragt sich, warum arbeitet man noch mit? Ich habe der Wikipedia bislang 4 1/2 Jahre gegeben. Mehr als 3.500 Artikel gestartet. mehr als 107.000 Beiträge in der deutschsprachigen Wikipedia getätigt, insgesamt mehr als 123.000 Edits zu allen Projekten, eine vierstellige Zahl an Bildern gespendet. Mehr als 30 meiner Beiträge wurden ausgezeichnet, ein Artikel gewann die Zedler-Medaille. 2 1/2 Jahre diente (ja, genau dieses Wort!) ich dem Projekt als Admin. Sicher nicht als der tollste, aber auch sicher als Guter. Ich habe nie vorsätzlich meine Knöpfe mißbraucht, unfehlbar bin ich nicht - aber meine Fehlentscheidungen waren sicher eher gering. Ich habe bei mittlerweile vier Wikipedia-Veranstaltungen an der Uni Köln und er HU Berlin als Vertreter der Wikipedia teil genommen. Einen Beitrag für ein Buch verfasst, einen für eine Zeitschrift. Zuletzt Kontakt zu einer nicht unbedeutenden Institution her gestellt. Und er Lohn? Ein paar Lügner dürfen mich ungestaft zum Nazi abstempeln. Ich habe echt genug, mir reicht es!

Umzug

Seit heute ist es klar - zum Oktober verlasse ich Köln und gehe zurück in den Raum Berlin/Umland. Und gerade bin ich durchaus depremiert. Bislang über 4, dann 4 1/2 Jahre Köln, zuvor knapp ein halben Jahr Bonn. Ich freue mich zwar auf meine alte Heimat. Aber ich werde meine beiden mitbewohner sehr vermissen. Ich werde meine Kölner-Wikipedia-Stammtischler vermissen. Zumal der Berliner Ersatz trotz vieler toller Berliner Wikipedianer keiner ist. Die schöne Wohnung wird mir fehlen. Auch wenn ich in Zukunft wieder ganz meinen Geschmack spielen lassen kann. Am liebesten würde ich unser Kölner Domizil als Zweitwohnung behalten. Derzeit bin ich wirklich eher traurig als gespannt. Das Leben ohne mein Schwesterherz wird sicher nicht so leicht. Irgendwie konnten wir uns hier gut aneinander fest halten, nach unserem Auszug zu Hause. Ich kann mir derzeit gar nicht vorstellen wie das sein wird. Nicht mehr mit den beiden ins Kino zu gehen. Nicht ins Wohnzimmer zu gehen, wo sie dann sitzen. Allein zu sein. Hat viel für sich. Aber irgendwie. Na mal sehen.

Bastard von Berg

 

Eigentlich liebe ich ja historische Romane. Und wenn sie dann noch etwas Lokalkolorit von dem Ort verströmen, an dem man lebt - super.

Aber manchmal kann die Enttäuschung gewaltig sein. Edgar Noeske: Der Bastard von Berg, deutscher historischer Roman aus dem Jahr 1998.

Der Klappentext weist das Buch als Historischen Krimi von Format aus, den Protagonisten als liebenswerten Held, Hochspannung und sprachliche Brillianz soll der Leser erfahren, Teil einer Liebesgeschichte werden und viel Humor geboten bekommen. Das ist ja schon mal etwas. Und wie sieht das Fazit aus? Grob gesagt, die Beschreibung ist eine glatte Lüge. Nichts von allem wird auch nur ansatzweise erreicht. Nur weil ein Buch weder gegenwart noch Zukunft beschreibt, ist es historisch. Nur weil Mord und Totschlag vorkommen ist es kein Krimi (auch kein Thriller, wie es andere Kritiken behaupten). Die Liebesgeschichte existiert nicht. Sie treffen sich, sie bekommen sich, alles nebenbei. Humor kommt gar nicht vor, es sei denn, man betrachtet wie ein kleines Kind die Fäkalsprache als humorig. Womit wir zur sprachlichen Brillianz kommen, von der nicht einmal ansatzweise etwas zu erkennen ist. Das Buch liest sich zwar locker weg - was aber eher an den unfreiwilligen Peinlichkeiten als an sprachlicher Brillianz liegt. Im Gegenteil. Sprachlich ist es doch sehr peinlich. Dazu auch später noch etwas mehr. Offenbar hat nie ein Lektor das Buch begutachtet - und wenn doch, verdient er den Job offenbar nicht.

Als Historischer Roman ist das Buch ein Totalausfall. Noske hat nicht im Ansatz Verständnis für die mittelalterliche Welt. Weder für die Kultur, das Ständesystem, die Religiosätät, die Moralvorstellungen. Fangen wir bei der Liebesgeschichte an - es sit sicher absolut unmöglich, daß Eltern ihre Tochter mit einem angehenden Knappen alleinigen Umgang pflegen lassen. Schon gar nicht hätten sie eine Friedelehe zugelassen, die im übrigen schon seit dem 9. Jahrhundert kirchlich verboten und in Resten noch in der Morganatischen Ehe erhalten blieben. Zudem seine Frau Johanne nicht unter seinem Stand war - war der Protagonist Martin dorch irgendwo Standlos. Und naatürlich, ganz sicher hätte man sie beiden ganz allein von einem Kloster, in dem sie sich mit Gefährten verstecken sollten weg reiten lassen, damit sie in den nächsten Tagen auch die ersten Male der fleischlichen Lust fröhnen konnten. Natürlich. Dieses Zusammenleben hätte Niemanden gestört. Und ihre Hochzeit wäre auch sicher in einer Kirche vorgenommen worden und nicht vor der Kirche, wie im Mittelalter üblich. Und sie trug sicher ein weißes Hochzeitskleid - natürlich. Etwas, das es so noch gar nicht gab.

Auch der Umgang Martins mit seiner Umgebung ist doch sehr interessant. Im echten Mittelalter hätte er so nicht lange überlegt. Als angeblicher Sohn eines Ritters, der noch nicht einmal Knappe war, einem Grafen ins Gemächt zu treten wäre sicher nicht so glimpflich ausgegangen. Wer sich in der Ständeordnung nicht nach seinem Stand benahm, hatte nicht viel zu lachen. Auch die Karriere ist sehr beachtlich. Weder Knappe, geschweige denn Ritter geworden, aber auf einmal stellvertretender Hauptmann der erzbischöflichen Wache? Natürlich. Da hätten die Anderen auch sicher mit gemacht. Auch das aufbrausende, wiedersprechende Wesen wäre gaaaanz sicher von der Umgebung, allen voran dem Erzbischof und seinen Ausbildern akzeptiert und toleriert worden. Und die Mutter hätte sie 17jährige Tochter mit Sicherheit auch für zu jung zum Heiraten angesehen. In einer Zeit, wo nicht selten auch mal mit 13 geheiratet wurde.

Was uns zur Ausbildung durch den Mönch bringt. Sehr interessante Dinge, die dieser weiß. Er kenn die lateinischen Namen des Taumelkäfers - "Gyrinus sulceatus". Zu einer Zeit als es diese Nomenklatur noch gar nicht gab. Konnte er in die Zukunft reisen? Naja, die 500 Jahre zu früh machen den Kohl sicher nicht fett, oder? Was sind schon 500 Jahr in einem Buch, wo so oder so alles Mögliche zusammen geschmissen wird, verquirrlt und dann als Mittelalter präsentiert? Wenn wir bei der Gelehrigkeit sind - wo bitteschön hatte man beim Vatikan die Listen der Grundeigentümer des ersten Jahrhunderts aus Galliläa? Sowas hält sich im Klima von Rom nicht so lange - zudem, warum sollte die Kirche so etwas aufheben? Das ist nun völlig unglaubwürdig. Wie auch der mittlerweile sowas von ausgelutschte Grundplott vom Nachfahren Jesu, der natürlich bis in die jeweilige Zeit verfolgbar ist.

Das Buch fängt gut an, aber spätestens nach 20 Seiten wird es nur immer ärgerlicher. Ich weiß nicht was Noske da fabriziert hat, aber sicher keinen historischen Roman, schon gar nicht im Mittelalter spielend. Ein Klischee, angefangen bei ehrgeizigen Kirchenfürsten bis hin zu ekligen Exzessen, reiht sich an das nächste. Das "finstere" Mittelalter wird als ekelhafte Folie benutzt, und doch denken alle Protagonisten so, als würden sie heute leben. Vor allem der Protagonist geriert sich wie ein 68er. Aber sicher nicht wie Jemand aus dem Mittelalter. Da bin ich doch seit Follets "Säulen der Erde" (der Nachfolger ist ähnlich schwach wie Noskes Romanversuch), Gordons "Medicus" und vor allem seit den Mittelalterromanen von Rebecca Gablé weitaus besseres gewohnt. Vielleicht auch verwöhnt. Aber um diesen Buch abzulehnen muß man nicht verwöhnt sein. Es sind einfach die vielen Klenigkeiten, die einem den Spaß massiv verderben.

Legenden und die Europawahl - oder: Kultur gab es nur im Westen

Die Beteiligung an der Europawahl war einmal mehr erschreckend gering, vor allem im Osten. Und einmal mehr überbieten die Politiker sich damit, Erklärungen zu finden. Auch im Westen war die Beteiligung wie im Rest Europas vergleichsweise gering - aber es war immerhin weitaus mehr als im Osten Deutschlands. Warum das nur? Warum werden Ossis nach 20 Jahren nicht heimisch in diesem Staat? Waren alle verblendet? Sind sie zu gierig? Ostalgiker? Links- oder Rechtsextreme? Mein Eindruck ist ein anderer und er hat nicht zuletzt indierekt mit der Erinnerungskultur zu tun, wie es mir am gestrigen Montag einmal mehr klar wurde. Eine Erinnerungskultur erster und zweiter Klasse.

Man merkt, daß nach der Wende alle wichtigen Posten in den Tonagebenden TV-Medien won Wessis besetzt wurden, wenn man mal von der manchmal schon peinlich-skurilen Mansche des MDR absieht. Seit mittlerweile schon 12 Jahren wurden 50 Folgen der Serie "Legenden" produziert, zudem fünf in der neuen Staffel. Dabei werden sowohlo internationale als auch Deutsche "Legenden" vorgestellt. Sicher kann man häufig darüber streiten, ob der Begriff überhaupt zutrifft. Präsentiert werden aus Deutschland etwa Romy Schneider, Curd Jürgens, Roy Black, Freddy Quinn, Franz Beckenbauer und in der neuen Staffel Rex Gildo oder Peter Frankenfeld. Alles schön und gut. Aber einmal abgesehen von ein paar Personen die vor 1945 Stars und Legenden wurden sind es alles nur westdeutsche Stars. In der selbstgerechten Inbrunst der "Gesamtdeutschen" Medien werden westdeutsche Stars zu deutschen Stars und alles was aus dem Osten kommt geflissentlicht ignoriert. Kultur passierte eben nur im Westen. Und was es im Osten gab, war alles nur politisch motiviert. Man ist natürlich beflissen immer wieder fest zu stellen, daß der "Kleine Mann" in der DDR ja für nichts etwas konnte und mutiger Revolutionär 1953 und 1989 war - aber für sein Leben gibt es doch keinen Respekt. Man fertigt manches als Freakig ab, anderes, etwa FKK Baden wird zum Widerstand gegen die Staatsmacht hoch stilisiert.

Daß alles nicht so einfach ist, will man nicht kapieren. So gab es in den 1950er Jahren eine Kampagne von Seiten des DDR-Lehrerverbandes gegen das Comic Mosaik, daß doch angeblich die Jugend verdirbt. Gegenwind bekamen sie aber nicht nur vom einfachen Leser, sondern selbst aus den höchsten SED-Kreisen. Wie kann das nur sein? Das passt doch gar nicht in das einseitige Bild. Darum erfäht es auch kaum Jemand. Daß Rolf Herricht, Hans-Joachim Preil und Helga Hahnemann grandiose Komiker waren interessiert heute Niemand im Westen. Paßt nicht ins Bild der unterdrückten und geknechteten Massen. Wenn die Scorpions lokalisiert werden, sind sie eine Band aus Hannover oder aus Deutschland. Werden die Puhdys zugeordnet, sind sie eine Ostdeutsche Band. Wir sind heute einzig Erbe westdeutscher Kultur. Alles aus dem Osten wird verdrängt, ins Abseits gedrängt, als ostalgisch und rückwendlerisch gebrandmarkt. Das zieht sich durch Staat, Politik, Medien, Kultur. Nur eine kleine Partei nimmt sich dem Erbe der Ostdeutschen an. Und dann wundert man sich im Westen, daß "Die Linke" so viel Zuspruch hat? Das wird dann wieder mit Protest oder ewiger Gestrigkeit, ja sogar indirekt mit der Dummheit der Wähler versucht zu erklären. Aber Heimat ist etwas wichtiges für einen Deutschen. Er ist nicht Umsonst der Einzige mit einem solchen Wort. Dieses Gefühl von Geborgenheit. Dazu zählt eben, was man für Musik hörte, oder über wen man lachte. Und immer, wenn Roy Black als Gesamtdeutsch präsentiert wird, aber Frank Schöbel eben nur ein Ossiphänomen ist, ist das ein neuer Tritt in den virtuellen Unterleib der Ostdeutschen. Der Respekt für die Lebensleistung und die Kultur Ostdeutschlands ist im Westen nicht vorhanden. Wann bringt man denn in der ARD oder im ZDF mal einen DDR-Film? Mit westdeutschem Uraltmüll wird man nahezu täglich gefoltert. Warum nicht einmal "Mit mir nicht, Madam!" statt "Hochwürden drückt ein Auge zu"? Nicht einmal akzeptierte, künstlerisch wertvolle Filme wie "Nackt unter Wölfen" wird gezeigt. Und wenn zum X-ten Mal Winnetou geeigt wurde, werden doch die Indianerfilme der DEFA ignoriert.

Und das ganze zieht sich durch alle Schichten des Kulturprograms. Ob es das Mosaik ist, Wolkows Zauberlandbücher oder Nimmerklug. Es hat alles noch seine Liebhaber im Osten. Weil es einfach gut ist. Aber im Westen interessiert es Niemanden, weil es aus dem Osten kommt und es wird bestenfalls als Ostalgie ab getan. Diese Ignoranz nach 20 Jahren ist unerträglich. Und da wundert man sich, daß es immernoch Mauern in den Köpfen gibt?

Ich lebe mittlerweile knapp 5 Jahre im Westen. Dadurch hat sich mein Blick auf Vieles verändert. Ich bin sicher kein Ostalgiker, wie auch, war ich doch bei der Wende erst 13. Ich will die DDR in keiner Weise zurück. Aber ich erwarte Respekt für die Leistungen meiner Eltern, meiner Großeltern. Und ich erwarte, daß meine Helden der Kindheit endlich mit mehr Respekt behandelt werden. Achtung und Respekt ist eine Zweiseitige Sache.

Saisonende

Nachdem die Männer nun schon seit zwei Wochen Feierabend haben, haben es auch die Frauen endlich geschafft. Wie zu erwarten hat das einmal mehr kaum Jemand mit bekommen. Nunja - manchmal fragt man sich, wer denn Weltmeister sind  Männer - oder Frauen? Der Respekt für den Frauenfußball ist trotz aller Behauptungen von Seiten des DFB und der Journalisten, die sich immer mal wieder begeistert über den eigenen Rücken streichen, weil sie sich gerade mal wieder so fortschrifttlich gezeigt haben und mal wieder "Frauenfußball" gezeigt haben. Frauensport ist in diesem Lande fast durchweg ignoriert von den Median, wenn man vielleicht von Tennis, Leichtathletik, Schwimmen und Wintersport einmal ab sieht. Und ein Blick in den Kicker zeigt, daß die erste Frauenliga weniger wichtig ist, als die viert Männerliga. Ebenso ein Frauen-Länderspiel als ein Testspiel eine Zweitligisten.

Also - Potsdam hat es geschafft. Mit einem einzelnen Tor Vorsprung haben sie den Bayern den Titel den Bayern noch knapp vor der Nase weg geschnappt. Was habe ich beim Life-Stream des DFB mit gefiebert. Vor allem, als aus unerfindlichen Gründen bei den Bayern eine fünfminütige Nachspielzeit gab und diese gegen die weit unterlegenen aber aufopfernd und fair kämpfenden Crailheimer. Aber manchmal gibt es doch Glück und Gerechtigkeit. Ein hoch auf meine Torbienen. Mit einer so jungen Mannschaft Meister werden ist Klasse! Insgesamt gefällt mir die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland recht gut, auch wenn die Nationalmannschaft nicht mehr so Klasse ist wie noch vor wenigen Jahren. Brasilien zieht davon.

Es ist halt doch irgendwie wie bei den Männern. In der LIga, wie in der Nationalmannschaft. Mit Wolfsburg konnte ich erstmals einen neuen Meister erleben. Seit meiner Geburt haben nur Teams den Titel gewonnen, die ihn zuvor auch schon erlangt haben. Und es war ein verdienter Meister mit tollem Fußball. Auch wenn man die Vereine seit Jahren kaum noch "Deutscher Meister" nennen kann, spielen doch weit über 50%, darunter fast alle Leistungsträger, der Liga mit ausländischen Paß. Aber die Bayern wurden nicht Meister. Zum Glück. Naja, dann kaufen sie eben für die nächste Saison wie wild. Ein billiger Verein, der nichts anderes kann als mit Gewalt den Erfolg kaufen. Dabei geht es gaz anders, wie etwa der VfB Stuttgart zeigt. Aber der wird ja auch zerissen, wenn charakterlose Spieler wie Gomez durch etwas mehr Geld vom Verein weg gelockt werden kann. Schade daß Dortmund am Ende etwas unter der 3-Punkte-Regel gelitten hatte.

Der Abstieg von Cottbus löst keine Trauer bei mir aus - aber endlich werden sich viele denken, ist die Liga wieder rein. Die böses Ossis sind weg. Wenn ich mir den Kicker ansehe, sind das ja eh keine "Traditionsclubs". Tradition scheint es nur im Westen gegeben zu haben. Wie arrogant kann man eigentlich nach 20 Jahren immernoch sein? Immerhin stieg Union überragend in die zweite Liga auf. Mein Rostock rettete sich knapp - aber immerhin. Und am Ende waren sie wieder ganz gut. Hoffe ich mal auf die neue Saison.

Abschließend einen Dank an die vielen Fußallreporter. Ihr seid wirklich eine der dümmsten Lebensformen die es auf der Welt gibt. Allein wenn ich an das letzte Länderspiel gegen die VAE denke und den Kommentar des Reporters, der Fritz Walters berühmtes Hackentor einzuordnen versuchte. Und prompt wurde es ein Länderspiele in den 1940er Jahren gegen die Niederlande. Daß es sich in wirklichkeit um ein Freundschaftsspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Wismus Aue handelte - undzwar 1956 - war offenbar doch nicht so wichtig. Generell läßt sich immer öfter und immer drastischer fest stellen, daß Sportreporter keine Ahnung haben, wovon sie reden und gar nicht mit bekommen, was eigentlich innerhalb ihres Blickfeldes passiert. Damit liegen sie aber im Trend des aktuellen Journalismus.

Meine 4 Jahre Wikipedia

Ein paar Edits waren es zwar schon vorher - aber am 2. April 2005 packte es mich aus irgendwelchen Gründen. Und fast natürlich im Artikel zu meinem Heimatort: Schöneiche bei Berlin. Und bei der Bearbeitung der Geschichte kam ich dann zu den Rittern von Krummensee. Während der arbeitsamen Nacht entschied ich mich dann, ich könnte mich doch anmelden. "Gesägt, tun getan", wie ein großer Deutscher Dichter schon sagte. Seitdem war ich Wikipedianer. Zunächst noch zwei Monate zaghaft - aber dann richtig. Am 1. Mai 2005 dann der erste Artikel als angemeldeter Benutzer: Walter Hochmuth, Urgroßvater. Noch mit ein paar Fehlern. Auch Hörensagen in der Familie kann fatal sein. Interessanterweise kam die Kritik dann auch aus der Familie heraus. Mittlerweile ist der Artikel zwar etwas kleiner, aber erstmal auch akzeptabel. Nach ein paar Umwegen, etwa in den Bereich Film und Fernsehen, landete ich doch da, wo ich so oder so hin gehören - bei den Altertumswissenschaften. Und ich muß zugeben, daß ich nicht ohne Stolz auf das zurück blicke, was ich dort bislang abgeliefert habe. Und dabei meine ich gar nicht einmal die ausgezeichneten Artikel, sondern die Breite, die der Bereich inzwischen - nicht nur durch mich - erreicht hat. Und ich denke mit Freude an die Entwicklung der Qualität im Bereich zurück, die immer weiter zu nahm. Nicht ohne Grund sind wir deutschsprachigen Wikipedianer etwas Stolz auf unser Werk, ist unsere Sprachverion doch recht fraglos die qualitativ beste. Nicht daß das Problemfrei wäre.

Unter dem Qualitätsdruck leidet nicht selten die Breite. Nicht selten sehe ich die schon fast an Paranoia grenzende Angst vor der Alltagskultur, vor der Popkultur. Andererseits gibt es auch eine gewisse Abneigung gegen Wissenschaft, meist in Bezug auf die Forscher und die direkte und aktive Wissenschaft. So ist es für mich bis heute unbegreiflich, warum Artikel zu Sonderforschungsbereichen der DFG nicht möglich sein sollen. Oder warum Wissenschaftlicher vier Monografien veröffentlicht haben sollen, anstatt zwei Bücher wie Belletristik-Autoren. Das Argument der Dissertation und der Habilitation ist einfach nicht stimmig. Nun ist ausgerechnet der Bereich der Wissenschafter als Teil der Geschichte der Altertumswissenschaften eines meiner Hauptarbeitsgebiete. Und immer wieder um diese Artikel zu kämpfen ist enervierend. Schlimmer ist fast noch, daß letztlich aber nicht die Qualität oberster Maßtab ist, sondern die "Relevanzkriterien". Vor allem in Bezug auf Menschen halte ich den Begriff der "Relevanz" für sehr daneben. "Enzyklopädische Bedeutung" - OK. Aber wer mag einem Menschen die Relevanz absprechen? Wer kann so etwas? Und ist es so schlimm, mal Artikel zu akzeptieren, die diese onimösen Hürden nicht erreichen, aber als Artikel gut sind? Mir will einfach nicht in den Kopf, wo das Problem an diesem Punkt ist. Hier ist für mich die deutschsprachige Wikipedia wirklich viel zu engstirnig.

Neben dem Altertumsbereich ist der Wintersport mittlerweile mein Wikipedianisches Zu Hause. Hier erlebe ich oft die Ruhe und den Frieden, das produktive Arbeiten, wie es überall sein sollte. Was mich zu den Wikipedianern bringt. Vier Jahre dabei. Und mittlerweile hat es sich ja herum gesprochen, daß Wikipedianer eben nicht einfach nur Nerds sind, sondern im Schnitt durchaus sehr kommunitkativ. Vor allem in Deutschland hat sich eine beeindruckende Stammtischkultur heraus gebildet. In Berlin, Göttingen, Frankfurt, Mainz und gar Wien durfte ich schon Gast solcher Veranstaltungen sein. Und meist war es wirklich toll. Aber nichts geht über den Stammtisch Köln. Aber wie sollte auch etwas einen Ort toppen können, wo Mutti Elya ein offenes Ohr und ein weites Herz für jeden Neuling hat und wohl kaum Jemand geht ohne einen netten Abend gehabt zu haben. Mittlerweile kenne ich doch wirklich schon knapp 300 andere Wikipedianer von Angesicht - wobei kennen natürlich immer relativ ist. Zunächst wollte ich mich gar nicht sosehr persönlich engagieren, sosehr in die Comunity rutschen. Aber es läßt sich wohl schwer vermeiden. Was ich vorfand war ein zwar inkohärenter, aber doch recht freundlicher Haufen von mehr oder weniger verrückter. Doch eines habe ich nach vier Jahren auch gelernt - man darf sich nicht zu sehr einlassen. Sonst kann man doch enttäuscht werden, wenn man glaubt daß sich freundschaftliche Beziehungen gebildet haben. Die gibt es - Hella, Juliana, Frank, Jonathan und ein paar wenigen Anderen fühle ich mich ernsthaft freundschaftlich verbunden. Doch dann gibt es eben auch die Enttäuschungen. Nicht alles was man für freundschaftlich (nicht einmal Freundschaft) hält, ist das auch. Klar - ich bin voller Fehler und mache immer wieder welche, nicht selten auch mal Große. Aber was ich an Unmenschlichkeit im Projekt erlebt hat, kann sich wirklich mit der Menschlichkeit messen, die es ebenfalls gibt. Wo ich Größe gefunden habe, fand ich ebenso Niedertracht. Wikipedia ist schlicht menschlich. und einigen Leuten werde ich die Art und Weise wie sie mich beim Adminamt abgesägt haben nicht mehr verzeihen. Auch etwas, das ich erst in der Wikipedia gelernt habe - nachtragend und hart zu sein. Aber es geht nicht, immer allen alles zu verzeihen, weil die anderen es auch nicht tun. Noch vor einem halben Jahr wäre das Fazit sicher viel freundlicher ausgefallen - aber was ich zuletzt erlebt habe, war schlichtweg teilweise unerträglich. Vor allem wenn es von bigotten Personen kommt, die lieber in ihren Glashäusern mit dem Steinewerfen aufhören sollten.In gewisser Weise habe ich wirklich einen Teil meiner "Unschuld" verloren. Ich kann Menschen nicht mehr so trauen wie früher. Es wird in Zukunft weitaus schwieriger sein, meine Freundschaft zu gewinnen. Ich werde sie nicht mehr verschleudern.

Nur gut, daß mir Ämter nicht wirklich etwas bedeuten. Was gut tut, ist der gute Ruf in Artikelfragen. Ich bin stolz auf jeden Lesenswerten, jeden Exzellenten Artikel, aber auch auf ein paar Informativer Listen, an denen ich maßgeblich beteiligt war. Und die Zedler-Medaille des letzten Jahres hat einen Ehrenplatz, das ist klar. Für mich wäre die Vorstellung grausig, keine Artikel mehr zu schreiben, etwa das Projekt zu verwalten und nichts produktives bei zu steuern. Jeder nach seinen Möglichkeiten, das ist klar. Und ich achte und respektiere alle, die beispielsweise Fehler verbessern, weil ihnen das Artikel schreiben aus dem ein oder anderen Grund nicht liegt. Nur - was immer man macht sollte vorrangig den einzelnen Artikel als solchen zu Gute kommen. Ist das nicht der Fall, sollte man vielleicht überlegen, ob man richtig im Projekt ist. Vor allem ein paar Laberaccounts sind da besonders übel. Oder Personen, die sich in bestimmten Fragen nicht durch setzen konnten und deshalb das ganze Projekt mit ihrem Mist foltern und es quasi in Geiselhaft nehmen. Wir sind immernoch zu freundlich zu Trollen. Wer nicht mit arbeiten will - AKTIV! - soll, ja muß gehen.

So Ambivalent wie vieles ist auch das Projektklima. Und hier habe ich sicher auch ein paar Aktien zu verantworten. Zum einen, weil ich viel unfreundlicher und agressiver rüber komme als ich eigentlich bin oder sein will, zum anderen auch wegen einiger Dinge, die nicht hätten sein müssen. Manchmal ist sicher einmal mehr nachdenken der bessere Weg. Naja - ich hoffe mal auf die nächsten vier Jahre. Zumal ich im Schnitt schon weitaus ruhiger bin als früher. Doch reist mich mein Idealismus wohl dennoch zu häufig mit. Ironie dabei - ich gehe zwar keinem Streit aus dem Wege (höre aber fast immer auf, wenn ich sehe, daß es eh nichts bringt), bin aber sowas von Harmoniebedürftig. Wenn da nur nicht diese Menschen mit anderer Meinung wären... ;).

Interessant, was mir in den vier Jahren so alles wiederfahren ist - wegen dieses Projektes. Mit Jonathan und dem Hexer auf Studienreise in Griechenland, Schreibwettbewerbsjurysitzungen in FFM und Wien, Zedler-Medaille in Mainz, Refereate zur WP an der Uni Köln und bald an der HUB, ein Beitrag zu einem Buch, ein Beitrag für eine Online-Zeitschrift. Ich bin Mitglied von Wikimedia Deutschland und habe auch hier mittlerweile die Hälfte der Mitgliederversammlungen mit gemacht. Und noch kurz vor dem Eintritt wollte ich mir die Vorlage auf meine Seite packen, daß ich mich von WMD nicht vertreten fühle. Was war ich damals noch naiv. Naja, Naivität ist sicher ein genereller Zug meiner Persönlichkeit. Auf jeden Fall war die Wikipedia in dem Moment da, wo ich sie brauchte. Als mein übriges Leben im Nichts zu versinken drohte. Allein darum werde ich dem Projekt immer verbunden sein.

Wie zieht man ein Fazit nach vier Jahren, quasi der Hälfte der Zeit in der auch das Projekt besteht? Ironie an der Geschichte ist, daß ich pünktlich zum Jubiläum auch meinen 100.000 Edit in der deutschsprachigen und 115.000 in allen Wikimedia-Projekten ausgerechnet gestern gemacht habe. Vieles ist gut, manches aber auch nicht. Persönliche Beziehungen, die oft nicht dem Druck stand halten, wenn sie welchem ausgesetzt werden, wenn jedoch, dann glaube ich auch, halten sie. Ich bin froh und stolz ein Teil dieses großen, guten und wichtigen Projektes zu sein. Sicher nicht von allen geliebt, aber wahrscheinlich vom Großteil der Mitarbeiter respektiert. Vielleicht ist das eines der besten Ergebnisse, das kommen konnte. Aber zu einem besseren Urteil kann ich derzeit auch nicht kommen.

Geschichtsunterricht mit Brüsten

Manchmal gehen Geschichten ihre eigenen Wege. Und es treffen sich Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammen zu passen scheinen. Vor kurzem sah ich im Kino den Film Der Vorleser. Geschichte ist schnell erzählt. Im ersten Teil trifft 15jähriger auf Mittdreissigerin. Beide haben eine heftige Affäre, Junge wird in die körperliche Liebe eingeführt - und das in recht deftigen Bildern. Zwischen den amorösen Einlagen muß das Jüngelchen der Frau, erstklassig gespielt von Kate Winslet, aus den verschiedensten Werken vor lesen. Als sie - Schaffnerin - befördert werden soll und auf einen Büroposten versetzt werden soll, verläßt sie fluchtartig die Stadt. Damit endet die Affäre und der Junge ist für sein Leben für alle Frauen verdorben.

Etwa zehn Jahre später studiert er Jura und wird als als Jurastudent bei einem praktischen Seminar Zeuge einer Gerichtsverhandlung. Angeklagt sind mehrere KZ-Aufseherinnen. Darunter auch seine vormals Geliebte. Durch ein paat Triks können die anderen Angeklagten ihr den Hauptteil der Schuld zuschieben - denn sie kann nicht lesen und will es nicht zugeben. Unser junger Held steht nun vor der Frage, soll er zu ihren Gunsten aussagen - oder der Gerechtigkeit ihren Lauf lassen...

In der Vorberichterstattung zur Verfilmung dieses Bestsellers waren eigentlich vor allem die Nacktszenen mit Kate Winslet Hauptthema in den Medien, der eigentliche Film ging erwartungsgemäß unter. So hübch Kate Winslet auch sein mag, ist das etwas schade, denn der Film ist gut, die Fragen die er stellt wichtung und interessant. Doch wenn Frau Winslets Brüste für ein größeres Publikum sorgen, soll mir das sehr recht sein.

Angeblich sollte zunächst Nicole Kidman die Rolle der Winslet spielen, fiel dann aber aus. Was für ein Glücksfall. Wiewohl ich Kidman wie auch Winslet sehr mag, hätte sie doch nicht so gut auf die Rolle gepasst. Winslet wirkt bodenständiger, Kidman wäre zu Glamourös. Dann wäre es vielleicht eher ein Melodram geworden. Das wäre doch unpassend gewesen. Insgesamt sehr schön, daß Kate nun endlich im Xten Anlauf ihren Oscar - zurecht - bekommen hat.

 

Wie im übrigen auch Sean Penn seinen zurecht in diesem Jahr für Milk bekam. Auch ein beeindruckender Film. Und seine Leistung stellt die von Mickey Rourke in The Wrestler durchaus noch in den Schatten. Während Milk durch seinen dokumentarischen Touch besticht, scheitert The Wrestler am Ende an der letztendlich fehlenden Kritik am verligenen Wrestling-Businnes. Wenige Ansätze täuschen nicht über die Hochachtung hinweg, die die Macher des Films offenbar vor diesem schlechten pseudosportlichen Geschäft haben. Eine vertane Chance. Und eine sehr nervende Handkamera, die nicht mehr war, als Effekthascherei.

Amoklauf in Winnenden

Schon ironisch. Ein Wirrkopf dreht durch. Ein unscheinbarr, vorher nicht auffälliger Typ. Und schon rumort es in Politik und Presse. Wie hätte man das, was man schlichtweg nicht verhindern kann, verhindern sollen? Natürlich liegt es nicht an den Waffen. Nein? Warum muß in Deutschland ein Mensch eine Waffe im Haus haben? Auch ein Sportschütze muß das nicht! Das soll gefälligst bei den Vereinen verwahrt werden. Niemand darf hier eine Waffe im Haus haben - dann fällt es auch weitaus schwerer solche Taten zu begehen.

Aber wer ist denn nun Schuld? Natürlich, wie immer! Horrorfilme und Videospiele! Millionen Menschen sehen solche Filme und spielen solche Spiele. Und nur weil alle zwei Jahre einer von diesen austickt soll das nun einmal mehr verschärfter und verbotener werden. Billig, liebe Politik! Die Waffen wollt ihr den Stammtischen nicht nehmen (jaja, der Schützenverein und der Stammtisch - das würde eventuell Wähler kosten... - da nimmt man lieber denen etwas die eh nicht wählen können oder Politikverdrossen sind und es nicht tun). Also lassen wir dem Volk die Waffen, mit denen die Taten vollzogen werden und nehmen ihnen das, was sie angeblich aufstachelt. Ich für meinen Teil spiele solche Spiele gar nicht und schaue auch nur ab und an einen Horrorfilm. Aber was sich mir nun als Frage stellt - wenn es schon der Horror sein soll, der Menschen zu so etwas treibt, kann es nicht der echte Horror sein? "Big Brother" und "Wetten dass?" Volksmusik und DSDS? "Germanys next Topmodel" und "The Next Uri Geller"? GZSZ und Lindenstrasse? "Lenßen & Partner" und die Udolfs? "Ich bin kein Star, holt mich trotzdem hier raus" und Brisant? Der Pöbel in diesem Land wird mit der gesendeten Bild-Zeitung zu geschüttet - aber die Horrorfilme sollen Schuld sein? Das kulturelle Niveau sinkt von Jahr zu Jahr immer tiefer - und das ist die Schuld von Ego-Shootern? Nicht von irgendwelchen Alpenjodlern bei Carmen Nebel? Die mentale Klimaerwärmung, die geistige Umweltzerstörungen im Hirn der Wähler? Ist es ein Wunder, wenn die Jugend heute keine Ahnung mehr von der Geschichte hat, wenn ein Guido Knopp ihr Geschichtslehrer ist? Wenn man dort von Opas Wehmacht erfährt, ist der vermeintliche Heldentod bei einem Schulmassaker wohl für manche labile Typen gar nicht mehr so unausweichlich. Aber ich vergaß - Schuld sind ja die Videospiele. Nicht etwa die Gesellschaft oder gar die Politiker, die das immer wieder zu lassen, weil sie die echten Probleme nicht angehen. Die vor allem dem Volk glauben machen wollen, daß man nicht zu verhindernde Dinge irgendwie verhindern könnte. Wenn man das wollte, würde man der Jugend einfach eine bessere Lebensperspektive bieten. Aber derzeit ist es ja wichtiger, daß Opel ein paar seiner Mittelklassewagen an die Mittelklasse verscherbelt. Wer einen guten Job hat muß nicht so viel vor den Videospielen sitzen und schaut erfahrungsgemäß wegen weniger Zeit weniger Horrorfilme. Aber das wäre zu einfach. Zu nahe liegend. Dann schon lieber alle Bewohner des Landes noch etwas mehr überwachen, was Herr Bundesinnenminister? Und wer schief guckt wird dann glaich eingetütet. Könnte ja irgendwann mal gefährlich werden. Brave new World!